Nachdem jetzt alle Newssticker (z. B. heise.de in GMail als Dateiarchiv) darüber berichten, wie man die massiven Speichervergrösserungen der E-Mail-Provider ausnutzen kann, muss ich doch endlich auch mal meine Idee zum GMX Mediacenter von vor einigen Wochen ausprobieren ...
Mein Ziel ist es also, das Gigabyte Speicherplatz von GMX als Verzeichnis in mein Server-Dateisystem zu mounten und per einfachem copy Dateien ins Backup schieben zu können.
Mangels Modul-Support im Kernel brauchte ich erstmal einen neuen Kernel mit CODA_FS Unterstützung. Das habe ich mit dem ohnehin anstehenden Update auf gentoo-r9 verbunden und bisher läuft es ohne erkennbare Probleme. Das CODA Interface im Kernel wird benutzt, um aus dem Userspace heraus ein Dateisystem bereit zu stellen - über net-fs/davfs2 wird dann aus dem Userspace heraus das von GMX bereitgestellte WebDAV-Verzeichnisse eingebunden. Das Paket net-fs/davfs2 liess sich für Kernel 2.4 problemlos kompilieren. (Bei 2.6 gibt es Probleme, die sich mit Patches beheben lassen; siehe bugs.gentoo.org).
Meinen Versuch machte ich mit dem GMX Mediacenter, weil man mir dort als ProMail Kunden 5 GB zur Verfügung stellt. Mein erster Test war das Kopieren meiner 1,5 GB grossen Australien-Fotosammlung. Es ist eine Sammlung aus etwa 4000 Dateien, hauptsächlich 800kb groß im .jpg-Format.
Mit dem Befehl mount.davfs mediacenter.gmx.net /mnt/gmx-webdav -o username=KUNDENNUMMER,password=PASSWORD konnte ich das Laufwerk problemlos mounten. Dabei ist zu beachten, dass die Verbindung unter manchen (mir noch unbekannten) Umständen nicht korrekt aufgebaut wird (zumindest habe ich mir erstmal 1,5 GB in den Mountpoint kopiert, statt zu GMX) - vielleicht war es aber auch ein Bedienungsfehler.
Auf meinem 2GHz P4 Celeron erzeugte der Kopiervorgang mit "cp -r -p" eine Load von um die 0.15, was ich für akzeptabel halte. Der Kopiervorgang selbst hatte einige wenige Fehler, so konnte z. B. die Datei ".htaccess-old" wegen eines I/O-Fehlers nicht angelegt werden. Was dafür genau die Ursache war, werde ich mir wohl noch mal genauer anschauen müssen.
Ausserdem hat die cp-Option -p nicht funktioniert: Nach dem Kopieren sah es zwar aus, als wäre alles (Permission, Time, Owner) übertragen worden, nach einem remount wurde aber alles auf den mit mount konfigurierten User, Permission 755 und den Kopierzeitpunkt zurückgesetzt.
Übertragen (via http) wurden die 1,5 GB in etwa 20 Minuten (real 19m32.779s, user 0m2.870s, sys 0m34.630s), was einer Übertragungsrate von durchschnittlich 1,28 MB/Sekunde entspricht. Dabei ist mir aufgefallen, dass besonders der Verbindungsaufbau einige Zeit kostet, dann aber mit hoher Geschwindigkeit gesendet wird. Die Tests fanden dazu zu einem Off-Peak-Zeitpunkt (6:30 Uhr Ortszeit) statt, was eventuell auch zur Performance beigetragen hat.
Mein nächster Test wird nun sein, ob man dort auch sinnvoll verschlüsselte Archive ablegen kann, die man dann z. B. in seinen Verzeichnisbaum mountet und wie gut rsync auf dem ganzen System funktioniert.
Ausserdem sollte es möglich sein auf WebDAV via https zuzugreifen, auch wenn die Verschlüsselung eigentlich unnötig ist, da ich auch dem Zielrechner nicht vertrauen kann (und will). Allerdings geht ohne https das Zugangspasswort im Klartext über die Leitung, was unter gewissen Umständen zu Sicherheitsproblemen führen kann (Manipulationen am Backup, DoS, ...).
