Bereits vor einiger Zeit bekam ich eine E-Mail von einem Andreas, der im Juli ebenfalls nach Perth gehen will. Er stellte mir darin einige Fragen, die ich jetzt endlich mal beantworten möchte ... > Unsere Uni (RWTH) hat leider keinerlei
> Austauschprogramme, also kümmere ich mich
> selber drum bzw. lasse das Institut
> Ranke-Heinemann mal machen. Habe mich bei der
> UWA und bei Curtin angemeldet, weil ich mich
> noch nicht entscheiden konnte.
Die Entscheidung ist vermutlich auch nicht wirklich einfach. UWA hat sicherlich den schöneren Campus und liegt um einiges zentraler, aber Curtin ist eine Technische Uni und schlägt UWA u. U. inhaltlich. Ich habe Curtin selbst nur einmal gesehen (genauer gesagt mich auf deren Campus verlaufen), als ich auf der Suche nach einem Open Source Symposium war, das dort gehalten wurde.
> Flug ist gebucht (6. Juli), Englischtest ist
> gemacht, Anerkennung der Kurse, die wichtig
> sind, soweit geklärt. Die Spannung wächst
> exponentiell!
Ich habe mich erst vor Ort (bei der Einschreibung) für meine Kurse entschieden. Da bekommt man dann auch irgendwie einen wesentlich besseren Überblick und kann ggf. auch mal mit ein paar Leuten reden. Zur Anerkennung hätte mir meine Uni in Deutschland vorher sowieso nichts gesagt. Ich werde mich in den nächsten Wochen mal darum kümmern, was die mir nun alles anerkennen werden und was nicht.
> Vielleicht hast du ja etwas Zeit mir etwas
> darüber zu erzählen.
>
> Eines der groÃ\237en Fragezeichen ist: UWA oder
> Curtin?!?
>
> Du weiÃ\237t sicher sehr viel über die UWA und
> vielleicht etwas ü¼ber Curtin, deshalb ist es
> wohl schwer die "richtigen" Fragen zu stellen.
Wie ich oben schon geschrieben habe: Curtin ist sicherlich um einiges technischer, aber auch weiter außerhalb von Perth.
> Ist das eine Uni wie man sie als Deutscher
> kennt? Arbeiten die wie hier, oder ist das
> "amerikanischer" (das System kenn ich weit
> besser, meine Mutter arbeitet da).
Ich würde sagen es ist sehr vergleichbar mit dem deutschen System. Man geht zur Uni (oder auch nicht) und macht Übungen die in Tutorien besprochen werden bzw. gibt es ab und an ein Testat-Blatt oder ein umfangreicheres Projekt.
Mir ist aufgefallen, dass die meisten Studenten deutlich jünger waren als ich (so irgendwas anfang 20) und kaum Erfahrungen aus dem echten Leben hatten. Viele Asiaten sind unter den Studenten.
> Wie ist das Niveau/Arbeitsaufwand und vor allem
> auch, macht es Spaß da zu studieren? Lernt man
> was?
Das Niveau hängt wie üblich am Dozenten. Aber gehe auf keinen Fall in Anfänger-Veranstaltungen, wenn Du Dich nicht langweilen willst. Wenn Du letzt-jahres-Veranstaltungen hörst, dann bist Du vom Niveau sicherlich sehr gut aufgehoben. An der UWA empfehle ich Dir jegliche Veranstaltung von Terry Woodings. Bei dem habe ich zwei Vorlesungen gehört und war beides mal richtig begeistert.
> Kleine Klassen? Was hat dir eventuell nicht
> so gut gefallen? Weißt du irgendwas über
> Unterschiede zu Curtin Tech?
Die Klassengröße hängt auch an der Veranstaltung, aber sie werden kleiner, je höher das vorgesehene Semester ist. Honours-Classes sind beschränkt und daher sehr übersichtlich. Als Austauschler kommt man da aber normal ganz gut rein, wenn man den Dozenten überzeugen kann, dass man das etwas höhere Niveau braucht.
Gefallen hat mir der Stil der Vorlesungen relativ gut. War eigentlich immer eine gute Mischung an Aufwand und Inhalt (wobei ich nicht gerade übermäßig viel Zeit für die Uni übrig habe ;). Ob es konkrete Unterschriede zwischen Curtin und UWA gibt, werde ich mal meinen ehemaligen Housemate frage, der das eigentlich wissen sollte.
UWA zumindest hat viele Clubs die in der Guild vereinigt sind. Das ist ziemlich nett (kennt man aus Deutschland so gar nicht) und ich weiß auch nicht ob Curtin sowas hat. Vermutlich aber schon ...
> Die zweite groÃ\237e offene Frage bettrifft:
> Wohnheim oder nicht?! Mit deutschen Wohnheimen
> sind die Dinger da unten ja wirklich nicht zu
> vergleichen, weder preislich, noch von der
> Leistung. Aber ist es das Geld wirklich wert?
Vorteile Wohnheim: Du bekommst Essen, Du bist mit vielen anderen Zusammen, Du hast Internet auf dem Zimmer und eine Putzfrau, die einmal pro Woche staubsaugt.
Mir war das ganze etwas zu überwacht. Keine Kerzen im Zimmer, ständig die festgelegten Uhrzeiten für die Mahlzeiten (ich esse lieber wenn ich Hunger habe) und alles in allem auch ziemlich teuer. Besonders, wenn man in Mid-Semester-Breaks auch für die Unterkunft zahlen muss, aber eigentlich unterwegs ist.
Eine private Wohnung: Man muß erstmal etwas gutes finden. Manche waren ziemlich lange auf der Suche und sind fast verzweifelt. Vorteil ist, dass man dann aber sein eigener Herr ist. Meist ist auch das Zusammenleben mit den Flatmates deutlich intensiver und man lernt mehr soziales Verhalten, als wenn man irgendwo im College ist.
Allerdings kann man auch im College sich richtig reinhängen und Anschluß finden, was ich aber (wir hatten sicherlich 70 % Asiaten in Curry Hall) nicht wirklich getan habe.
Wenn ich jetzt nochmal hinfliegen würde, dann würde ich definitiv nicht nochmal ins College gehen, sondern sofort privat wohnen. Das College war eine interessante Erfahrung, aber nichts was ich unbedingt wiederholen wollte. Mit einem "Wohnheim" hat es allerdings ehr wenig zu tun, weil man rundum versorgt wird und teilweise habe ich mich wie im Kindergarten gefühlt, als am Anfang Pflichtveranstaltungen zum Thema "Sexual Harassment" angeboten wurden.
> Wenn ich da ankomme bin ich ja auch schon im
> 7.Semester, also teilweise Postgraduate. Auf
> vielen Seiten steht, dort wohnen nur die
> undergrads.
Ja, so ungefährt ;) Was aber nicht wirklich schlimm ist, denn Anschluß und "ältere" Leute findest Du überall.
> Gibts nicht auch andere schöne/billigere
> Wohnungen, die nicht allzu weit weg sind? Ich
> lese oft, dass der Wohnungsmarkt in Perth
> eigentlich recht entspannt sein soll und man
> also gut/rel. schnell was findet. Ich habe auch
> gelesen, dass rel. viele Leute in WGs wohnen
> oder ein paar gar ganze Häuser mieten.
Jep. Das ist wohl alles korrekt, aber trotzdem muss man erstmal etwas finden. Ich hatte halt immer Glück, dass ich innerhalb von 3 Minuten zur Uni laufen konnte - das wird nicht einfach sowas zu finden.
> Du bist ja auch zur Jahreshälfte aus dem
> Wohnheim ausgezogen. Also ich finds schon ne
> Menge Geld nur zum wohnen.... und ob
> ich immer pünktlich zum essen da bin... keine
> Ahnung.
Mein Reden :)
> Ich fülle auch grade den Bafög Antrag aus,
> herrje, dachte ja nicht, dass man den so
> früh wegschicken muss. Sind ja "nur"
> noch 4 Monate. hm.
Also bei mir waren die im Bafög-Amt supernett und alles hat problemlos geklappt. Immer dran denken nötige Unterlagen umgehend hinzusenden und nicht erst auf Nachfragen oder gar Mahnungen zu warten. Die können sicherlich auch anders.
> Ich denke nicht, und das sagen auch die Leute an
> den Unis, dass ich einen großen Nachteil dadurch
> haben werde, dass ich im Juli anfange. Bin
> dafür den ganzen Sommer über da.
Inhaltlich wird es vermutlich kein Nachteil sein, weil nur wenig aufeinander aufbaut. Allerdings fehlen Dir viele Anfängerveranstaltungen und Du musst Dich um einiges etwas selbständiger kümmern. Wenn Du an die UWA gehst, dann richte den lieben Damen vom Study Abroad Office viele Grüße von mir aus - vielleicht erinnern sie sich ja noch an mich. Auf jeden Fall werden die Dich bestens betreuen und jede Frage beantworten. Zumindest ich habe super Erfahrungen mit denen gemacht.
Vermutlich willst Du allerdings selbständig zum UCC (University Computer Club), UUC (University Underwater Club) und ODC (Outdoor Club) gehen. Die drei möchte ich Dir sehr empfehlen, weil Du darüber einerseits toll Kontakte knüpfen und zum anderen auch gleich viele neue Hobbies (Computer, Tauchen, Klettern, Wandern, Kajakfahren, Rogaining, ...) bekommen kannst.
Ich hoffe die Informationen kommen nicht zu spät und ich konnte Dir den ein oder anderen Tipp geben. Wenn noch Fragen offen sind, dann schreib einfach nochmal. Ich werde mich dann auch etwas schneller zurückmelden :)
Chris
