1. ich gehe zum Fahrscheinautomaten und tippe einmal kurz den Bildschirm an, damit sich der Bildschirmschoner beendet.
2. ich stecke meine Bahncard in den Automaten und gebe meine Bahncard-PIN ein
3. der Automat zeigt mir die Fahrkarten an, die ich in letzter Zeit gekauft habe (siehe Foto)
4. da ich oft die gleichen Strecken fahre, wähle ich z. B. den Eintrag Tübingen - Mainz.
5. Der Automat präsentiert mir die nächsten Verbindungen für diese Strecke
6. Ich wähle eine Verbindung
7. ich wähle zahlen per Lastschrift und gebe meine Bahncard-PIN erneut ein.
8. Fertig - der Fahrschein wird gedruckt.
Keine EC-Karte oder Bargeld zur Zahlen mehr nötig. Kein unnötiges Eintippen von verfügbaren Bahncards oder Zugpräferenzen. Kein umständliches Auswählen von Zielorten bei bekannten Verbindungen.
Lediglich die unnötige Frage ob ich Bahn.comfort-Punkte sammeln will und das Beenden des Bildschirmschoners (Schritt 1) stören etwas. Besonders letzteres ist etwas unverständlich: Steckt man seine Bahncard bei laufendem Bildschirmschoner in den Automaten, so wird sie nicht erkannt und man bekommt eine Fehlermeldung.
100-Prozent ausgereift ist das System allerdings noch nicht. So hat sich z. B. ein Automat in Düsseldorf kurz vor der Auswahl der Zahlmethode einfach verabschiedet und gemeldet, dass diese Zahlmethode momentan nicht verfügbar. In solchen Fällen sollte der Automat die Auswahl der Fahrkarte erst gar nicht zulassen und in einen Fehlermodus umschalten. (In diesem Fall habe ich sogar einen Zug verpasst, da ich nicht damit gerechnet hatte, viermal das ganze Prozedere an drei verschiedenen Automaten ausprobieren zu müssen)
Die Reaktionszeit der Automaten auf einen Druck aufs Touch-Screen ist in vielen Bahnhöfen auch noch verbesserungswürdig. Das es geht sieht man inzwischen in Stuttgart, wo die Latenzzeit der Automaten geradezu perfekt ist. Besonders wenn man sich "mal eben" eine Verbindung anzeigen lassen will, stören die 2-3 Sekunden, die der Automat zur Berechnung der Route braucht, schon. In Stuttgart inzwischen kein Thema mehr.
Wer allerdings gar nicht auf Automaten steht, der kann inzwischen auch ein Online-Ticket zuhause auswählen und -drucken. Auf www.bahn.de wählt man seine Verbindung, zahlt die Karte z. B. mit Kreditkarte (andere Zahlungsweisen sind glaub ich auch möglich) und erhält dann ein pdf zum Ausdrucken.
Auf diesem pdf befindet sich rechts-oben ein computerlesbares Code-Feld, das der Fahrkarten-Kontrolleur mit seim Mini-High-Tech-Fahrkartendrucker scannen kann. In diesem Feld kodiert sind die Parameter der Fahrkarte, die auch im Kasten links in Text-Form aufgelistet werden. Der Schaffner vergleicht dann, ob die kodierten Daten auf seinem Gerät mit denen im Textfeld übereinstimmen. Während man das Textfeld mit einem geeignetem pdf-Editor vielleicht noch verändern könnte, so ist das Code-Feld digital signiert und diese Signatur wird vom Scanner (vermutlich ;-) überprüft. Eine Manipulation der Fahrkartenparameter ist also nicht möglich.
Allerdings könnte man ein Ticket natürlich doppelt ausdrucken, aber auch dagegen hat sich die Bahn etwas ausgedacht: Auf dem Ticket ist am rechten Rand angegeben, wie sich der Besitzer des Tickets identifizieren will: Dies kann z. B. per Kreditkarte oder Bahncard erfolgen - letztendlich benötigt man einfach eine eindeutige ID, die nicht beide Ticketinhaber besitzen können, wenn man das Ticket doppelt ausdruckt.
Ob der Schaffner auf seinem Scanner auch Details zu dieser ID sieht weiß ich nicht. Wenn nicht, dann könnte man mit dem pdf-Editor den ID-Eintrag relativ einfach ändern und damit das System unterwandern. Ebenso könnte man einfach das Ticket doppelt ausdrucken und seinem Mitfahrer die Kreditkarte einfach unterm Tisch zustecken. Dass sich der Schaffner den Namen auf der Karte einprägt ist unwahrscheinlich und letztendlich könnte man zwei Tickets auch mit der gleichen Kreditkarte bezahlt haben.
Dagegen kann sich die Bahn eigentlich nur schützen, indem Sie die Scanner jedes gescannte Ticket abspeichern lässt und online prüft, ob das soeben gescannte Ticket bereits entwertet wurde. Da aber die Geräte momentan (angeblich) nicht online sind, wird auch das höchstens dann funktionieren, wenn das Ticket-Duplikat mit dem gleichen Scanner erfasst wird wie das Original. Da aber viele Züge mehr als nur einen Kontrolleur haben, muss man sich theoretisch nur passend im Zug verteilen.
Wenn die Scanner allerdings die Ticketdaten erfassen (allein schon um feststellen zu können, ob ein Kunde sein Online-Ticket benutzt hat oder er berechtigt ist es für eine Gebühr von 15 EUR zurückzugeben), dann fällt eine derartige Manipulation spätestens beim Abgleich der Scanner mit der Datenbank auf (und da die Scanner auch Kreditkartenzahlungen abwickeln, ist solch ein Abgleich gerantiert heute schon vollzogen). Und da man den Online-Ticket-Service nur dann nutzen darf, wenn man eine gültige Bahncard besitzt, hat die Bahn bereits sämtliche für eine Strafanzeige notwendigen Daten, in Ihrer Datenbank.
